Karfreitag in Alt-Liegnitz

Alt-Liegnitzer Karfreitag

Im Hofe des Carthäuser Klosters, das 1347 niedergerissen wurde, kam alljährlich am Karfreitag ein Almosen zur Verteilung, und zwar an jeden, der sich einfand. Es bestand in einem Brote, dem sog. Buckenite, das ausgebacken zwei Pfund wiegen mußte, in einem Hering und in einem in der Breslauer Münze besonders neu geprägten Gröschel. Auf einem Gerüst mitten im Klosterhofe standen die fürstlichen Beamten mit den zur Verteilung der Gaben Beauftragten. Die Empfänger wurden zu einem Tore ein- und zum anderen hinausgelassen. Sogar der Landeshauptmann nahm nach altem Herkommen an der Feier teil. Denn es durfte niemand, weder alt noch jung, arm oder reich, ohne Gabe von dannen gehen. Diese Karfreitagssitte, die von der Herzogin Hedwig, der Mutter Friedrichs I., 1471-1488 Herzog von Liegnitz, herrührte, hat sich noch einige Jahrhunderte erhalten.
(Quelle: Liegnitzer Tageblatt vom 25. März 1937)